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Thema: andere Reiseziele
Von Brigitte Bonder

Schaukelnd Brügge entdecken



Brügge Kutschen - (c) Brigitte Bonder
Manuel schnaubt einer blonden Frau ins Haar und schubst sie ein wenig unsanft mit seiner großen Nase an. Die Dame quiekt erschrocken in ihr Handy und springt beiseite. Unbeeindruckt trabt das große braune Pferd an ihr vorbei zum Standplatz der Fiaker auf dem Marktplatz von Brügge. In der Weltkulturerbestadt haben Kutschen Vorrang, jedenfalls denken das die Fahrer. Sie haben ihren Spaß daran, die Tiere durch die Menschenmengen zu lotsen. „Pass up“ rufen sie lachend und die Kutsche schaukelt über den Bordstein.

Auf dem kopfsteingepflasterten Platz am Fuße des typisch flämischen, schlanken Glockenturms herrscht großer Andrang. Bei für Brügge ungewöhnlich hohen Temperaturen drängen sich die Touristen um die 13 Kutschen der flämischen Stadt. „Do you speak English? Francais? Deutsch?“ fragt der Fahrer und schaltet sofort die Sprache um. „Ich bin Peter“. Franzosen stellt er sich sicher als Pierre vor.

mit der Kutsche durch die Altstadt von Brügge - (c) Brigitte Bonder

Peter schnalzt und schwingt die Peitsche. Seit 30 Jahren kutschiert er Urlauber durch die Altstadt. Sein Pferd Manuel trabt eifrig am Wahrzeichen der Stadt – dem Belfried – vorbei. Der große Turm wurde im Mittelalter als Wachturm errichtet, um Feinde oder Stadtbrände schnell zu entdecken, gibt Peter sein historisches Wissen preis. Wer nicht unter Platzangst leidet, erklimmt die 366 Stufen einer teilweise sehr engen Wendeltreppe und genießt eine weite Aussicht vom 83 Meter hohen Turm über ganz Brügge. Für weniger Sportliche gibt es am Fuße des Turms die zwei berühmten Pommes-Buden mit belgischen Fritten und Frikandeln. Trotz der Hitze haben sich lange Schlangen aus Touristen und Einheimischen gebildet. Sogar Guido Francquewill, Wein- und Foodberater aus Brügge, der sich mit feiner Molekularküche beschäftigt, geht mit seinen ausländischen Gästen unter dem Belfried Fritten essen. Das gehört einfach dazu.

Die halbstündige Fahrt geht weiter durch die verkehrsfreie Breidelstraat, die vom Markt  zum Burgplatz führt. Hier gibt es alles, was das Touristenherz begehrt: traditionelle Geschäfte mit belgischer Klöppelspitze reihen sich an Schokoladenmanufakturen und Mitbringsel-Shops. Am Burgplatz liegt das alte, gotische Rathaus. Bunte Fahnen wehen im Wind, goldene Engel blicken vom Dach herab. An der Stirnseite des Platzes liegt die Basilika des Heiligen Bluts, eine Doppelkirche. „Da liegen zwei Kapellen übereinander, das ist einmalig“. Peter deutet auf das Gebäude und lenkt Manuel neben dem Rathaus in die schmale Blinde-Esel-Straße. Am Ende der Gasse überquert die Kutsche einen der unzähligen Kanäle der Stadt. Hier stand vor vielen Jahren eine Mühle, die von einem Esel mit verbundenen Augen angetrieben wurde. „Schließlich sollte er nicht merken, dass er immer nur im Kreis gehen musste“, lacht Peter über die Lösung.

Brügge Rozenhoedkaai - (c) Brigitte Bonder

Hinter der Brücke geht es am Brügger Fischmarkt vorbei. Früher wurden die Meerestiere nur in einer abgelegenen Ecke des Wochenmarktes verkauft, aber viele Marktteilnehmer beschwerten sich über den Geruch. „So wurde 1821 eine Säulenhalle nur für den Fischmarkt errichtet“. Peter kennt sich wirklich gut mit Geschichtszahlen aus. Bis heute wird hier jeden Morgen außer Sonntags frischer Fisch angeboten – ein schönes Fotomotiv. Das jedoch meistfotografierte Eckchen der Stadt liegt nur wenige Meter entfernt. Der Rozenhoedkaai war früher der alte Salzhafen der Stadt. Auf der Mauer sitzen viele Pärchen und lassen sich vor dem Kanal mit dem Belfried im Hintergrund ablichten.

Die Kutsche rumpelt über das Kopfsteinpflaster der Uferpromenade des Drijver. An den Wochenenden werden Floh- und Trödelmärkte veranstaltet,  Kulturinteressierte kommen wegen des bekanntesten Brügger Museums, dem Groeninge Museum hierher. Dem Besucher präsentiert sich eine Vielfalt belgischer und südniederländischer Kunstwerke, auch die Werke des flämischen Künstlers Jan van Eyck werden ausgestellt.

Eine kurze Pause gibt es an den berühmten Beginenhöfen. Manuel bekommt Wasser und Hafer, die wartenden Kutscher unterhalten sich oder zücken ihr Handy. Hinter dem Klostertor ist vom touristischen Treiben nichts mehr zu hören. Aus der kleinen Kapelle ertönt kirchliches Orgelspiel, der Wind weht leise durch die alten Bäume. Der Park ist von strahlend weißen Gebäuden umgeben, in denen heute noch wenige Benediktinerinnen wohnen und das Tor bereits am frühen Abend für Besucher schließen.

Peter winkt und die Kutsche schaukelt weiter zum Prinsenhof, der Residenz der ehemaligen Herzöge von Burgund. Ab dem 15. Jahrhundert wohnten in dem architektonisch beeindruckenden, strahlend weißen Gebäude hochherrschaftliche Persönlichkeiten. Heute gehört der Prinsenhof der Kempinski-Hotelkette. Dieses erste Fünf-Sterne Hotel der Stadt bietet neben hochklassigen Suiten auch wechselnde Kunstausstellungen im Garten. Derzeit trifft man auf einen überdimensional großen, knallroten Pudel. Ungeachtet dieser Werke zieht Manuel die Kutsche zurück Richtung Marktplatz. Er trabt seit sieben Jahren seinen Weg und drängelt sich gekonnt durch die Touristen, die geschäftig mit ihrer Kamera den Belfried ablichten, zu seinem Standplatz zurück.

Anreise Mit dem Thalys.
Direkte Zugverbindung von Bremen, Frankfurt, Hannover nach Köln.
Köln – B rügge in 3 Stunden. Ab Duisburg kommend aus Bremen/Hannover:
Eindhoven (E34) - Antwerpen
(E17) - Gent (E40) – Brügge.
Informa-tionen Fremdenverkehrsamt für Flandern in Deutschland:
Tourismus Flandern-Brüssel
Cäcilienstrasse 46
D - 50667 Köln
Tel: +49-(0)221-270 97 70     
www.flandern.com mail: Info@flandern.com Fremdenverkehrsamt vor Ort:
Toerisme Brugge
Burg 11
8000 Brugge
www.brugge.be
Einreise (außer D, A, CH) Personalausweis reicht aus Spar-Tipps Mit der „Brugge City Card“ hat man gratis Zutritt zu 24 Museen und Sehenswürdigkeiten. Weitere Rabatte für Städtetouren Veranstaltungen inklusive. Der Pass kostet für 48/72 Stunden €33/38 (siehe www.bruggecitycard.be)
Währung (außer D, A, CH, EU) Euro Events Jazz Festival Brügge
30.9. - 3.10.2010
Zentraleuropäischer Jazz vom Feinsten. Konzerte, Jamsessions und viele weitere Aktivitäten.
www.dewerf.be Van Eyck bis Dürer
29.10.2010 - 30.1.2011
Das Groeninge Museum zeigt Werke von Albrecht Dürer und Jan van Eyck.
www.bruggezentral.be
Was kostet…? (außer D, A, CH) Kosten vor Ort: Mittagessen ab ca. €15, Dinner ab € 30; Getränke: Softdrink € 3, Wein ab € 5 Web-Tipps  
Zeit (außer MEZ) MEZ Shopping Witzige Artikel und Comics rund um Tim und Struppi.
Tin Tin Shop. Steenstraat 3.
Tel. +32 (0) 50 33 42 92,
www.tintinshopbrugge.be Köstliche Schokoladenspezialitäten von Wasabi bis Erdbeer vom Meister Dominique Persoone.
The chocolate line. Simon Stevinplein 19.
Tel. +32 (0) 50 34 10 90  
Sprache Französisch Hotel Das exklusivste Hotel der Stadt ist das Fünf-Sterne Kempinski Hotel Duke’s Palace. Zentrale Lage, Garten mit wechselnden Kunstausstellungen und Wellnessbereich. Ehemaliger Prinzenpalast.
http://www.kempinski.com/de/bruges  
Klima (außer D, A, CH) Beste Reisezeit ist im Frühling und Sommer. Telefon Internationale Vorwahl nach Belgien: 0032
Aus Frankreich nach D/A/CH: 0049/0043/0041
Geheimtipps Brügge im Heißluftballon entdecken.
Ein Flug dauert 3 Stunden mit mindestens einer
Flugstunde.
www.bruges-ballooning.com
   


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