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Thema: Mittelmeerregionen

Reisen mit dem Autozug – Neues Terminal in Triest eröffnet (Reisebericht)



Autozug nach Triest
Bildquelle: fotolia
„Wie lang fahr’n wir denn noch ?“ Mama ich muss mal!“ Solche Quengeleien hat wohl jeder mit Kindern bei einer ewig langen Autofahrt in den Urlaub über sich ergehen lassen. Muss aber nicht sein. Die Alternative: Eine Fahrt mit dem Autozug. Im Angebot der Deutschen Bahn sind zwei Destinationen in Südfrankreich (auch als Sprungbrett nach Spanien), vier in Italien und vier in Österreich. Einchecken kann man in Berlin, Hamburg, Hildesheim, Düsseldorf, Frankfurt, München und Lörrach.

Mit meiner Lebenspartnerin und den beiden Kindern haben wir uns für die neue Verbindung von Frankfurt/Neu-Isenburg mit dem AZ 13311 Abfahrt 19.21 nach Triest entschieden. Bisher endete die Fahrt im österreichischen Villach, die neue Trasse wurde am 1. April diesen Jahres nach Fertigstellung des Auto-Verlade-Terminals Triest eröffnet. Dazu hat die Bahn in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tourismo FVG eine erstaunlich vielseitige Broschüre „Unterwegs in Friaul Julisch Venetien“ mit 20 individuellen Reisevorschlägen von 20 verschiedenen Anbietern der Region herausgebracht - für bekennende Individualisten und dennoch „pauschal“ buchbar.

Die Region Friaul Julisch Venetien (Hauptstadt: Udine, wichtigste Hafenstadt: Triest) ist in jeder Hinsicht auf Gäste eingestellt und dennoch nicht überlaufen, im vergangenen Jahr waren es gerade mal 141.000 deutsche Touristen. Besonders in der Nebensaison fühlt sich jeder Reisende persönlich willkommen. Das Preisgefüge ist ebenso attraktiv wie die vielen Möglichkeiten, den Urlaub zu gestalten. Sandstrände, Gebirge, weite Ebenen, historische Städtchen, Weinstrassen, Wassersport, Radtouren, Kunst und Kultur – wem das nicht reicht, der kann ins unmittelbar angrenzende Slowenien oder nach Kroatien weiterziehen.

Die Verladung in Neu Isenburg ist problemlos, man wird vom Service-Personal eingewunken, der Wagen mit vier Parkkrallen sicher befestigt. Wir haben uns für den Liegewagen entschieden, hier passen bis zu 5 Personen in ein Abteil. Die etwas komfortableren Schlafwagen-Abteile sind für maximal 3 Personen ausgelegt, also zu klein für eine Familie mit zwei Kindern. Zwar wäre es möglich, durch Zusammenlegen von zwei Abteilen eine Suite zu buchen. Oder gar eine Suite Deluxe mit eigener Dusche und WC. Das hat nicht einmal die First Class auf dem Oberdeck des neuen Airbus A 380; über den Wolken stehen den Passagieren dort sensationell zwei Duschen zur Verfügung - aber man muss sie sich teilen. Nun, auf solchen Luxus verzichten wir zu Gunsten der Urlaubskasse.

Nachdem geklärt ist, wer wo schläft, geht es in den Speisewagen. Wir ergattern den letzten freien Tisch, denn der Zug ist bereits um 15.01 in Düsseldorf gestartet. Einige Rheinländer haben sich die vier (!) Stunden  dauernde Fahrt von Düsseldorf nach Frankfurt – hier könnte die Bahn noch etwas zur Fahrplanpflege tun – mit ein paar Bierchen verkürzt, die Stimmung ist bestens, der Geräuschpegel hoch wie in einer „richtigen“ Kneipe.

In dem Bord-Restaurant zeigen sich dem aufmerksamen Beobachter verschiedene Nutzer des Autozug-Angebots: Zum einen natürlich Familien mit Kindern, die bleiben aber meist in den Abteilen und veranstalten dort eine Art Picknick. Dann die Gruppe der etwas älteren Paare, sie möchten das Geld, das sie verdient haben, gerne ausgeben und gönnen sich den Luxus einer komfortablen, stressfreien sicheren Anreise. Und schließlich die Motorradfahrer: Sie gelangen mit dem Nachtzug direkt in die von ihnen bevorzugte Region, ohne Unfallrisiko, ohne „eckige Reifen“, ohne laute stressige Autobahnfahrten.

Sie alle „sparen“ bei der Hin- und Rückreise im Nachtzug 2 Hotel-Übernachtungen bzw. gewinnen 2 zusätzliche Urlaubstage. Kluge Rechner berücksichtigen beim Preisvergleich Bahn/Selbstfahren die Vollkosten fürs Auto (idR 40-50 Cent/km) plus zwei Hotelübernachtungen – und entscheiden sich für den Autozug. Denn auch die Billigflieger sind nicht immer billig – in Ferienzeiten, wenn man sie braucht, kostet es richtig Geld, und früh um sechs von einem Flughafen zu starten, der 90 km von jeder grösseren menschlichen Ansiedlung entfernt liegt, ist auch nicht jedermanns Sache. Und mit dem Autozug bleibt jeder bei seiner individuellen Tourenplanung flexibel, da der Ankunftsort bei der Hinreise nicht zwingend auch der Abfahrtsort für die Rückreise sein muss. Mobilität im Feriengebiet mit dem eigenen Fahrzeug bei nahezu unbegrenzter Gepäckzuladung ist ein weiterer Wettbewerbsvorteil.

Die Speisekarte im Bordrestaurant bietet Pasta und Käseplatte, Nürnberger und Süppchen – wir entscheiden uns für frischen Spargel mit Kartoffeln. Der Spargel ist nicht zu hart, nicht zu weich und kein bisschen sprelzig – comme il faut. Während meine Partnerin mit den Kindern zurück ins Abteil geht, genehmige ich mir noch ein, zwei Gläser Wein. Dabei ergibt sich ein Gespräch mit anderen Gästen wie von selbst. So gegen zehn steigt der fröhliche Bier-Geräuschpegel der Motorradfahrer noch einmal an, bis sie ihr Limit erreicht haben.

In dem Abteil – der gesamte Zug ist Nichtraucher-Zone - erwarten uns frisch bezogene Decken und Kopfkissen, die Liegen sind recht bequem gepolstert. Nachdem sich die Aufregung über die ungewohnte Umgebung gelegt hat, sind die Kinder überraschend ruhig. Meine Partnerin murmelt irgendwas von einer „Kleinen Nachtmusik auf Schienen“ und meint damit wohl das beruhigende regelmässige Geräusch des Waggons auf den Gleisen. Ich liege noch einen Augenblick wach, denke daran, dass unser Zug in Italien eine neue Lok erhält, dass ich mich um die ganze Logistik überhaupt nicht kümmern muss, und an den morgigen Urlaubstag. Dann sinke ich unbemerkt in Morpheus’ Arme – bis man uns früh um acht das Frühstück serviert. Der Zug schlängelt sich gemütlich durch die italienischen Alpen und wir genießen das unerwartete Panorama. Als wir um 10.14 pünktlich in Triest einlaufen hat der Urlaub längst begonnen.

Publikation mit freundlicher Genehmigung des Autors
Matthias Lubcke
presserheinmain(at)aol.com