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Thema: Fernreisen

Geschichte Vietnams



Frühgeschichte und Antike

Die frühesten Hinweise auf menschliches Leben lassen sich auf ein Alter von 300.000 bis 500.000 Jahre datieren. Die älteste nachgewiesene Kultur, die Dieu-Kultur, begann vor über 30.000 Jahren in der Region südlich von Hanoi und breitete sich vor rund 16.000 Jahren als Hoa-Binh-Kultur weiter aus. Als letzte altsteinzeitliche Kultur gilt die Bac-son-Kultur, die auf ein Alter von 12.000 Jahren datiert wird und bereits Keramik kannte. Seit mindestens 5.000 Jahren wird der Reisanbau mittels künstlicher Bewässerung betrieben. Mit der Sa-Huynh-Kultur an der Küste und der Dong-Son-Kultur im Delta des Roten Flusses hielt vor etwa 3.500 Jahren die Bronzezeit Einzug. Im 3. Jhd. v. Chr. wanderten die Âu Việt aus dem heutigen Südchina ein und verschmolzen mit den bereits ansässigen Lạc Việt woraus sich das Königreich Âu Lac bzw. später das Reich Nam Việt entwickelten. 111 v. Chr. wurde das Reich der chinesischen Han-Dynastie einverleibt, was nicht nur zu Unruhen, sondern auch zur Übernahme kultureller Errungenschaften aus der chinesischen Kultur führte.

Mittelalter und Neuzeit

Anfang des 10. Jhd. n. Chr. brach die chinesische Tang-Dynastie zusammen, was die Entstehung des Kaiserreiches Dai Việt unter der Lý-Dynastie ermöglichte, die im 13. Jhd. von der Tran-Dynastie abgelöst wurde. Im 15. Jhd. fiel das Gebiet kurzzeitig an die chinesische Ming-Dynastie, die systematisch versuchte spezifisch vietnamesische kulturelle Errungenschaften zu zerstören und durch chinesische zu ersetzen. Von 1427 bis 1789 regierte die vietnamesische Lê-Dynastie. Ab 1516 nahmen Europäer zunehmend Einfluss, insbesondere die katholischen Orden der Jesuiten und Franziskaner, die ihre Religion und  Kulturgut (z.B. lateinische Schrift) verbreiteten.

Französische Kolonialherrschaft

Im 18. Jhd. führte die Tây-Sơn-Rebellion unter erheblichem französischem Einfluss zu einem Herrschaftswechsel. Das Land erhielt erstmals den Namen Việt Nam. Mithilfe französischer Beratung baute der Herrscher Gia Long aufwendige infrastrukturelle und militärische Einrichtungen, die gleichzeitig zur Verarmung der Bevölkerung beitrugen. Ab Mitte des 19. Jhd. kam es vermehrt zu Ausschreitungen der notleidenden Bevölkerung vor allem gegen französische Missionare. Frankreich griff als „Schutzmacht“ ein. In der Folge mussten Gebiete an Frankreich abgetreten werden, das zur Kolonialmacht avancierte. Vietnamesische Studenten und Intellektuelle kamen auch nach Frankreich, wo sie mit westlichen Konzepten wie Nationalismus, Kommunismus usw. vertraut wurden. Der wohl berühmteste unter ihnen war Hồ Chí Minh (1890–1969). Während des Zweiten Weltkriegs nahm Japan starken Einfluss auf Indochina (heute: Laos, Kambodscha und Vietnam). Hồ Chí Minh kehrte 1941 aus Frankreich zurück und gründete die Widerstandsbewegung Việt Minh, die sich mit Unterstützung der USA gegen die japanische und französische Vorherrschaft auflehnte. Nach der Kapitulation Japans 1945, rief Hồ Chí Minh die unabhängige Demokratische Republik Vietnam, die erste unabhängige Republik Südostasiens aus. Allerdings fiel Vietnam im selben Jahr, nach Aufständen und dem Eingreifen von Großbritannien, Frankreich, Japan und China unter erneute französische Kolonialherrschaft.

Indochinakrieg

Nach der Landung französischer Truppen in Saigon 1945, die den südlichen Teil des Landes kontrollierten, versuchte Frankreich auch Nordvietnam unter seinen Einfluss zu bringen. Daraufhin brach 1946 der Indochinakrieg aus. Frankreich setzte in Saigon eine südvietnamesische Regierung ein, während Nordvietnam von den Việt Minh beherrscht wurde. 1954 unterlagen die Franzosen und es kam zu einem Waffenstillstand. Vietnam wurde entlang des 17. Breitengrads in die Demokratische Republik Nordvietnam (Hauptstadt Hanoi) und in die Republik Südvietnam (Hauptstadt Saigon) geteilt. 1955 mussten sich die Franzosen aus Indochina zurückziehen. Nach Unruhen in Südvietnam nahmen die USA verstärkten Einfluss, um einen Sturz der südvietnamesischen Regierung zu verhindern. Ab 1960 stellten sich zunehmend Korruption und chaotische Zustände ein. Nach einigen kurzzeitigen Militärregierungen errichtete Präsident Nguyễn Văn Thiệu eine – von den USA gestützte – neue Regierung.

Vietnamkrieg

Der Vietnamkrieg gilt als Stellvertreterkrieg zwischen kommunistischen und kapitalistischen Mächten während des Kalten Kriegs. Es handelt sich dabei um die letzte Phase der dreißigjährigen Auseinandersetzung um die Vormachtstellung im Land. Durch die, damals neue Form und Dimension der Kriegsberichterstattung im Fernsehen, die den Krieg relativ ungefiltert in private Wohnzimmer lieferte und durch die Opposition großer Teile der Amerikanischen Bevölkerung, erzeugte der Vietnamkrieg weltweite Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt durch den anschließenden gesellschaftlichen Aufarbeitungsprozess wurde er zum Symbol für die Sinnlosigkeit des Kriegs, der zu Zerstörung, Traumatisierung und zu menschlicher Verrohung führt.

Der Vietnamkrieg resultierte aus einem Bürgerkrieg in Südvietnam. Die USA traten zunächst „nur“ als militärische Berater gegen kommunistische Guerillas auf. Der Widerstand in Südvietnam formierte sich als „Nationale Front zur Befreiung Südvietnams“ (FNL). Die Regierung Südvietnams schien immer mehr von kommunistischen Kräften, die Unterstützung aus Nordvietnam erhielten, bedroht zu sein. Nordvietnam wiederum wurde von der Sowjetunion und der Volksrepublik China gefördert. Über den Hồ Chí Minh-Pfad, ein Netzwerk von Straßen und Wegen zwischen Nordvietnam (auch z.T. auf dem Staatsgebiet von Laos und Kambodscha), wurde die FNL versorgt.

Ein genaues Datum für den Kriegseintritt der USA lässt sich schwer definieren, da sich deren Einflussnahme allmählich steigerte und über einige Jahre „aus dem Hintergrund“ erfolgte. So ermächtigte Präsident John F. Kennedy beispielsweise die CIA in Nordvietnam Sabotageaktionen durchzuführen. Ab 1965 beteiligten sich die USA durch die Bombardierung Nordvietnams und durch die Entsendung regulärer Kampftruppen offen am Krieg. Jegliche Versuche die Guerillas in Südvietnam unter Kontrolle zu bringen waren bis zum Ende der Auseinandersetzung nicht erfolgreich, da diese Einmischung von außen bei der einheimischen Bevölkerungen auf wenig Gegenliebe stieß. Außerdem ist es überhaupt fraglich inwiefern sich die südvietnamesische Bevölkerung überhaupt mit der Regierung von Präsident Thiệu identifizierte. Präsident Lyndon B. Johnson (ab 1963 im Amt) nahm eine harte Haltung in der Auseinandersetzung an. Der Krieg in Vietnam wurde somit auch zum Prüfstein für die internationale Glaubwürdigkeit und Vormachtstellung der USA. Technisch und materiell waren die USA überlegen. Besonders im Luftraum kamen Jagdbomber und Hubschrauber zum Einsatz. Kennzeichnend war außerdem der großflächige Einsatz von Agent Orange (Entlaubungsmittel), der eine bis heute spürbare Kontamination und starke Beeinträchtigung der Gesundheit von Vietnamesen hinterließ. Auch Napalmbomben (Brandstoffbomben) kamen im großen Stil zum Einsatz.

Als nachteilig erwies sich für die USA die Unerfahrenheit ihrer relativ jungen Soldaten, die außerdem der psychischen Belastung des Kriegs im unübersichtlichen Dschungel vielfach nicht gewachsen waren. Daraus resultierten ein erhebliches Drogenmissbrauchsproblem sowie menschenrechtswidriges Vorgehen gegen die einheimische Zivilbevölkerung. Präsident Richard Nixon (ab 1969 im Amt) versuchte mit der Nixon-Doktrin die Verantwortung und insbesondere die Finanzierung der Auseinandersetzung wieder verstärkt in die Hände der südvietnamesischen Regierung zu legen. Für die finanziell angeschlagenen USA, die zudem mit großem Widerstand gegen den Vietnamkrieg im eigenen Land zu kämpfen hatten, bildete dies das Ausstiegsszenario. Es folgte der allmähliche Truppenabzug bis 1973. Ab 1970 griffen die USA dennoch Südkambodscha an, in dem sie Rückzugsgebiete Nordvietnamesischer Truppen (Việt Cong) vermuteten. Dies wiederum führte zum Guerillakampf in Kambodscha, in dem die (später berüchtigten) Roten Khmer Widerstand leisteten. Nixon versuchte außerdem ein unberechenbares Kriegsszenario herzustellen, um damit einen möglichen Atomangriff zu suggerieren. Hanoi zeigte sich jedoch unnachgiebig.

Schließlich wurde von Vertretern beider Seiten (Henry Kissinger und Lê Đức Thọ) ein Friedensvertrag ausverhandelt, der 1973 in Paris unterzeichnet wurde. Nichts desto weniger setzen die USA die Bombardierung Kambodschas fort. Südvietnam kämpfte mit einer schweren Wirtschaftskrise und stand am Rande des Kollapses. Nachdem Nixon durch die Watergate-Affäre 1974 als Präsident zurücktreten musste, erhielt Präsident Thiệu nicht mehr die von Nixon zugesicherte Unterstützung. 1975 marschierten nordvietnamesische Truppen ein und standen binnen kürzester Zeit vor Saigon. Die USA wurden davon völlig überrascht und die noch verbliebenen Militärberater und CIA Agenten mussten übereilt das Land verlassen. 1976 wurde das Land als Sozialistische Republik Vietnam wieder vereint und Saigon in Hồ Chí Minh-City umbenannt.

Sozialistische Republik Vietnam

Nach Übergriffen der Roten Khmer, die 1975 in Kambodscha an die Macht gekommen waren, marschierten vietnamesische Truppen Kambodscha ein und besetzten das Land. Die Volksrepublik China, welche die Roten Khmer unterstützt hatte, begann mit Kämpfen an der chinesisch-vietnamesischen Grenze. Ohne klares Ergebnis beendete China diese Intervention wieder. 1989 zog sich Vietnam wieder aus Kambodscha zurück. Ab 1986 veranlasste die kommunistische Regierung wirtschaftliche Reformen. Seit den 1990er Jahren boomt die Wirtschaft und Vietnam wurde in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen. 1994 wurde das von den USA verhängte Handelsembargo aufgehoben und seit 1995 bestehen wieder diplomatische Verbindungen mit den USA.

Wirtschaft

Vietnam befindet sich derzeit in der Übergangsphase von sozialistischer Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Bis vor wenigen Jahren war das Land in erster Linie agrarwirtschaftlich geprägt. Insbesondere der Anbau und Export von Kaffee ist hierbei hervorzuheben. Das Land verfügt über Ölvorkommen, jedoch kaum über Raffinerien, wodurch nur Rohöl exportiert wird. Wichtige Industriezweige sind in erster Linie die Textil und Schuherzeugung, sowie Stahl, Zement und Automobilmontage.

Tourismus

Der Tourismuswirtschaft kommt sein einigen Jahren besonders große Bedeutung zu. Bis vor einigen Jahren wurde Vietnam von wenigen abenteuerlustigen Individual- bzw. Rucksacktouristen bereist. Seit der Jahrtausendwende kommen jedoch immer mehr Individual- und Erholungsreisende ins Land. Vor allem die Zahl der Badeurlauber sowie der Studien- und Pauschalreisenden ist im Steigen begriffen. Besonders nach Übergriffen auf Touristen auf den Philippinen und in Indonesien, steigt die Beliebtheit von Vietnam als fernöstliches Reiseziel. Auch immer mehr Kreuzfahrtschiffe machen Station in den Hafenstädten. Aus vielen Fischerdörfern sind inzwischen Badeorte geworden und besonders in den Küstenregionen sind ständig neue Ressorts und Hotels im Entstehen. Aktuell sind mehrere hunderttausend Vietnamesen im Tourismussektor tätig.

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