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Reisebericht Sari
21.8.2010
Das Wasser ist abgedreht. Vom Frühstücksraum mit angrenzender Terrasse im vierten Stock des Hotels erfreut sich der Blick nach Westen auf das schwarze Meer, im Norden auf die Minarette der Moschee in der Tschalkow und im Westen auf die kaputten Dächer der noch verbliebenen und ziemlich kaputten Innenstadt. Man wünscht sich bei diesem Anblick und der umstrittenen Bauwut von Bürgermeister Murman Beridse, dass er ein wenig mehr Gespür zeigen möge und die alten Häuser renovieren lasse anstatt alles abzureißen und weitere Glaspaläste im postsowjetischen Chick zu errichten. Wir schauen von oben direkt in das Wohnzimmer des gegenüberliegenden Hauses. Das ist nur deshalb möglich, da das Dach und die Hausfront fehlen. Eine alte Frau sitzt dort an einem Tisch und trinkt Kaffe. Es regnet. Auf dem Weg in die Stadt wird aus dem anfänglichen Nieselregen ein subtropischer Regenguss.
Wir flüchten in die nahe liegende Touristen-Info, wo wir die nächste halbe Stunde Asyl bekommen und die Gelegenheit nutzen, uns von der freundlichen Angestellten alles Erdenkliche über die Geschichte der Stadt, Adschariens und die aktuelle politische Situation erklären lassen. Ein anderes Pärchen, das dort Unterschlupf gesucht hat kommt aus Poznan, Polen und ist seit 4 Wochen per Bus und Bahn durch Armenien und Georgien unterwegs. Als der Regen nachlässt, steuern wir nun endlich in das Kaffe, von dem wir schon vor der Reise in Hamburg geschwärmt haben und das den vielversprechenden Namen „Priwyet iz Batuma“ oder auf Deutsch „Ich sende einen Gruß aus Batumi“ trägt. Leider eine völlige Enttäuschung, da wir schlicht ignoriert werden.
In einem früheren „ZEIT“-Artikel wurde liebevoll das heruntergekommene Aquarium Botumis beschrieben, so dass wir einen Abstecher dorthin machen. Niemand von uns steht auf Zoos aber hier scheint uns etwas zu erwarten, denn es gab hier früher mal ein Delfinarium, dass aber aus Versehen zerstört wurde, als nebenan ein altes Hotel gesprengt wurde. Die Angestellten haben seit Monaten kein Salär mehr bekommen. Der ganze Stolz des Museums sind Piranhas, die träge in einer Algenbrühe herumirren. Die Trägheit rührt daher, dass den Fischen die Zähne abgesägt wurden.
Etwas geschockt & frustriert machen wir uns auf wieder auf den Weg, holen das Auto und wollen nach Sari, an der türkischen Grenze. Der Hinterreifen ist fast platt. Nach etwas „eiriger“ Fahrt finden wir eine Werkstatt am Stadtausgang, die in einem alten Seecontainer untergebracht ist. Strömender Regen setzt ein. Wir sitzen in Sari in einem Cafe trinken türkischen Kaffee und schauen auf all die Menschen, die in Busse strömen oder aus diesen herauskommen. Es pladdert unaufhörlich. Als der Regen nachlässt fahren wir zurück nach Batumi.
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Autor: Hinrich Brumm
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