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Thema: Fernreisen

Hakauwati, der letzte Märchenerzähler

Ali Baba reiste einst durchs Morgenland. Heute reist er durch Worte und Geschichten der letzten Kaffehauserzähler

Geschichtenerzähler im Kaffeehaus in Damaskus
© Eva Pilipp - CC BY-ND 3.0
Seine Stimme wird lauter, das Schwert schnellt unerwartet auf den Tisch, dunkles Holz auf Metall, Teegläser wackeln, Argilehrauch verschwebt im Raum, Augen auf den Hakauwati - den letzten Märchenerzähler - gerichtet. Als syrische und heute vorwiegend Damaszener Tradition, haben die Kaffehaus-Märchenerzähler Geschichte gemacht. Vormals aus keinem Caffe wegzudenken, sinkt ihre Zahl heute auf einige wenige. Genüssliche Momente, KardamonCaféhaus, versüßter Minztee, Apfeltabak, Bärte, Männer, Touristen und Entspannung sammeln sich in der Damaszener Altstadt im traditionellen Caféhaus Noufara (arabisch Springbrunnen) bei Sonnenuntergang, kurz bevor der Hakauwati anfängt zu erzählen.

Von vergangenen Zeiten

im Cafehaus in Damaskus
© Eva Pilipp - CC BY-ND 3.0
Seine Geschichten entspringen glorreichen Zeiten, orientalischer Vergangenheit und Mythen. Die sagenhaften Erzählungen aus 1001 Nacht sind dabei beliebter Ausgangspunkt für seine Live-Vorstellungen. Eine halbe Stunde dauern die arabisch-islamischen Märchen, Fabeln, halb vorgelesen, halb frei erzählt, danach werden Münzen für den Hakauwati gesammelt. Ursprünglich gab es in der arabischen Welt viele Hakauwatis, Kaffehauserzähler, die nicht nur in Kaffehäusern auftraten. Was zählte, waren ihre Geschichten und die Art, Mimik und Gestik einzusetzen, sowie die Vielfalt des literarischen Repertoires und schlicht das Alter des Erzählers. Die Tradition des gesprochenen Worts, der erzählten Geschichte vor einem Publikum also, welcher mit Gesten, Stimmen und Schwertern Leben eingehaucht wird, und die mit der Atmosphäre der traditionell in Holz gestalteten Kaffeehäusern verschmelzen,  ist in der arabischen Welt weit verbreitet. Die Geschichten haben sich über Jahrhunderte erhalten, von einer Generation zur nächsten, sind weiterentwickelt und ausgeschmückt worden, ihr Kern blieb gleich; eine Mischung aus arabischer  Literatur, orientalischen Märchen und 1001 Nacht Bildern. 

Persönlichkeit und Zauber der Geschichten 

„Al-Hakauwati“ umfasst die Persönlichkeit des Geschichtenerzählers, der mehr als Sprachrohr, als reiner Geschichtenvermittler ist. Als Poet, Schauspieler, Komiker und Historiker wird er im arabischen beschrieben. „Hikayah“ bedeutet auf arabisch Geschichte, auch in Ägypten und Irak waren die Geschichtenerzähler einst beliebt. Heute als aussterbendes Genre bezeichnet, sammelt der Hakauwati in Damaskus noch immer ein großes Publikum unterschiedlicher Alterstufen und sozialer Ursprünge. Und es ist nicht nur der Inhalt seiner Geschichten, der zählt – die meisten sind in der Kindheit schließlich schon hundertmal gehört, vorgelesen und nacherzählt worden – es sind auch seine zusätzlichen Kommentare, Witze und poetischen Wortspiele, halb in Hochsprache, halb im syrischen Dialekt (Amiye), melodische Worte in einer fremden Sprache also, die auch ohne Sprachkentnisse bewegen und bezaubern.

von Mag. Eva Pilipp


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